Montag, 28. September 2015

Interview mit Landschaftsfotograf Stefan Hefele

Gundabadd - ©Stefan Hefele
In meiner Interview Reihe hatte ich dieses Mal das Vergnügen dem Landschaftsfotografen Stefan Hefele einige Fragen zu stellen. Da ich selbst viel für die Landschaftsfotografie übrig habe, war ich diesmal natürlich besonders neugierig ;-). Aber lest selbst:

Hallo Stefan,
erst einmal vielen Dank, dass du dich für unseren Mixed Pixels Blog für ein Interview zur Verfügung stellst. Ich bin sicher, dass dich viele unserer Leser bereits kennen, aber vielleicht ist doch noch der ein oder andere dabei, dem du noch unbekannt bist. Daher wäre es super, wenn du dich einfach kurz vorstellen könntest.
Vielen Dank auch, dass ich am Interview teilnehmen darf. Zur Zeit lebe ich mit meiner Frau und meinem zweijährigen Sohn in meiner Heimatstadt Schwabmünchen in Bayern. Nach Beendigung der Schulzeit wurde ich dann im Zuge einer längeren Auszeit in Australien auf die Fotografie aufmerksam. Es folgte die Berufsausbildung zum Werbefotografen. Doch dann wurde mir schnell klar, dass ich mich nicht täglich in ein Studio stellen kann, ohne mich eingesperrt zu fühlen. So kam es, dass ich mich nach der Ausbildung mit dem Schwerpunkt Landschaftsfotografie selbstständig machte. Keine einfache Entscheidung, aber eine aus vollem Herzen. Als willkommene Abwechslung bin ich auch hin und wieder in der Architekturfotografie tätig - urbane Landschaftsfotografie sage ich immer sehr gerne dazu. Der Reiz in meinem Lieblingsgenre – der Landschaftsfotografie – liegt für mich im Entdecken. Reisen und dabei hautnah die Kräfte der Elemente erleben. Strapazen auf mich nehmen, aber dafür auch eine Verbundenheit mit der Natur empfinden, die mich sogleich für vieles entlohnt. Und wenn dann auch noch die Landschaft für Momente in ein besonderes Licht getaucht wird, stellen sich mir sinnbildlich die Nackenhaare auf. Nachdem ich mein Hobby gleich zu meinem Beruf gemacht habe, bin ich mittlerweile in vielen namhaften Verlagen vertreten und darf z.B. 2016 den XL Kalender „Berge“ von GEO bestücken. Sicherlich ein Meilenstein in meiner bisherigen Karriere. Außerdem bin ich Mitautor des Buches „Von erfolgreichen Fotografen lernen - Naturfotografie“, welches im Mai 2015 im Rheinwerk-Verlag erschienen ist. Projekte kommen und gehen. Tiefschläge und Hochflüge ebenso. Doch eines darf man nie vergessen: Sich treu zu bleiben.

Wächter der Berge - ©Stefan Hefele
Du hast uns einige deiner faszinierenden Berglandschaften zur Verfügung gestellt. Gratuliere zu diesen Aufnahmen! Ich selbst komme ja aus dem Voralpenland und weiß, welche enge Beziehung man zu den Bergen haben kann. Was bedeuten für dich die Berge in der Fotografie, aber auch sonst. Üben Berge einen besonderen Reiz auf dich aus? Gehören sie zu deinen Lieblingsmotiven?
Für mich üben Berge eine schier unglaubliche Faszination aus. Nicht nur fotografisch gesehen. Auch die körperlichen Grenzerfahrungen am Berg möchte ich nicht missen. Nicht zuletzt der GEO Kalender „Berge 2016“ hat mich einen Schritt weit mehr zum Bergfotografen gemacht. Einen Titel, den ich ganz gern trage. Jedoch sehe ich mich weiterhin als Fotograf für Landschaften mit all Ihren Facetten.
Der wohl größte Reiz aber am Berg ist die Tatsache, dass man innerhalb weniger Stunden vom Sommer in den Winter und wieder umgekehrt laufen kann. Verschiedene Klimazonen durchquert, ohne dabei ins Flugzeug steigen zu müssen. Einfach ein Traum. Was das Licht betrifft, wird man in den Bergen viel häufiger überrascht, als das woanders der Fall ist. Ich mag Überraschungen in der Fotografie. Überraschung hat natürlich auch eine Kehrseite - gerade in den Bergen. Das ist mir auch bewusst geworden.

In den Bergen sind die guten Spots ja oft mit einem mühsamen Aufstieg verbunden. Welche deine hier gezeigten Bergbilder waren ganz besonders aufwendig in der Vorbereitung oder haben dich besonders viel Kraft gekostet?
Beim Foto „Gelobtes Land“ bin ich zusammen mit meinem Kumpel Felix Röser erst 12 km durch die versumpfte schottische Wildnis gewandert, bevor wir beim Aufstieg auf den Suilven nahe senkrecht 400-500 Meter in die Höhe gestiegen sind. Immer mit knapp 25kg Gepäck auf dem Rücken. Den Suilven muss man sich wie einen riesigen Monolithen in den schottischen Highlands vorstellen. Dessen Oberseite im Prinzip ein großer Grat ist. Auf diesem sehr windigen und steilen Grat haben wir biwakiert und wurden dann früh Morgens mit ein paar Sekunden „göttlichem“ Licht beschenkt. Kraft und Mühe gehören oft dazu, wie Ausdauer und Ruhe.

Gelobetes Land - ©Stefan Hefele
The Blue Crown - ©Stefan Hefele
Die richtige Lichtstimmung ist natürlich ein Hauptbestandteil bei einem guten Landschaftsfoto. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein sozusagen. Leider ist das nicht so einfach, wie es klingt und sehr oft ist man dann zwar am richtigen Ort, aber das Wetter spielt halt nicht mit. Fährst du dann solche Stellen mehrmals an, bleibst vor Ort bis es endlich passt, versuchst du das Beste aus der gegebenen Situation zu machen oder musst du manchmal einen guten Spot auch einfach mal „abhaken“? Gerade wenn man auf einer längeren durchgeplanten Tour mit weiteren Spots ist, ist ja mehrmaliges Aufsuchen einer Stelle nicht immer so einfach…
Ganz ehrlich: Hier trifft alles zu. Wenn es die Zeit zulässt, fahre ich Spots auch mehrmals an. Das kann schonmal in die Kilometer gehen. So habe ich z.B. auf Island im Januar 2014 einige Nachtfahrten auf mich genommen, die mich hunderte von zusätzlichen Kilometern gekostet haben. Oft ist jedoch der Zeitplan enger gestrickt und ich versuche das Beste rauszuholen. Tja, und wenns dann ganz übel kommt, dann muss man hin und wieder einen Spot auch einfach „abhaken“. Halb so wild, denn der Nächste wartet ja schon.

Mordor - ©Stefan Hefele
Trügererische Schönheit - ©Stefan Hefele
Was waren für dich die bisher beeindruckendsten und nachhaltigsten Erlebnisse/Eindrücke bei der Landschaftsfotografie? Gab es denn speziell in den Bergen auch schon einmal gefährliche Situationen?
Die Natur hat schier unglaubliche Schauspiele zu bieten. Drama und Augenschmaus zugleich. Mir stellt es immer wieder die Nackenhaare auf, wenn ich solch ein Spektakel erlebe. Sei es ein düster-nebliger Morgen im Wald, ein fast schon kitschiger Sonnenuntergang vor paradiesischer Kulisse oder das Gefühl, auf dem Gipfel eines Berges den Elementen ausgesetzt zu sein.
Gefahr ist in den Bergen wohl immer gegeben. Gerade, wenn man sich in höheren Gefilden bewegt. Ich bin jedoch heilfroh und sehr dankbar, dass ich bisher außer Materialschäden immer mit dem Schrecken davon gekommen bin.

Du bist u.a. auch oft im Ausland unterwegs und machst immer wieder längere Reisen. Wie entscheidest du, wohin du als nächstes fährst? Nach welchen Kriterien suchst du dir deine Ziele aus?
Ich bin ein sehr intuitiver Mensch und lasse auch gerne meinen Bauch mitentscheiden. Einen richtigen Plan gibt es nicht. Oft lasse ich mich spontan von einer Gegend inspirieren und entscheide dann relativ kurzfristig dort auch hinzufahren, bzw. zu fliegen. Einmal im Jahr jedoch steht eine Winterreise in den eisigen Norden an. Die dortigen Stimmungen, wie auch die Polarlichter machen einfach süchtig. Hierzu erscheint von mir übrigens im Januar 2016 in der NaturFoto ein Artikel über die Insel Senja.

Bist du lieber alleine unterwegs und genießt die Einsamkeit in der Natur oder gerne auch mal mit gleichgesinnten Fotografen?
Gerade in den Bergen bin ich auch aus Sicherheitsgründen nicht gerne alleine unterwegs. Doch hier und da genieße ich auch sehr gerne die Ruhe und Ausstrahlung der Natur nur für mich. Die Wirkung, welche die Natur auf einen haben kann ist immens. Für mich hat Sie mein Leben geprägt.

Caradhras - ©Stefan Hefele
Indulgence of Beauty - ©Stefan Hefele
In der Landschaftsfotografie spielt eine gute Planung und Vorbereitung eine sehr große Rolle. Locationsuche, Sonnenstand, Gezeiten, Mondphasen, Jahreszeiten, Sonnenauf- und untergangszeiten, Wetterprognose, etc. Ohne diese aufwendige Vorarbeit hat man eigentlich kaum eine Chance auf ein richtig gutes Foto. In deinem neuesten Buch von Galileo Von erfolgreichen Fotografen lernen: Naturfotografie (in dem ja Ines Mondon von unserem Blog hier auch vertreten ist) wird dieses Thema wunderbar aufgegriffen und es gibt dazu einige sehr gute Tipps.
Aber wie gehst du an einen fremden Spot heran, wenn du dann vor Ort bist? Wie gehst du an die Gestaltung deiner Bilder heran? Vor allem bei Orten, die zu den eher „bekannten“ Motiven gehören und es besonders schwer ist, noch eine neue und eigene Perspektive zu finden.
Hier kommt mir wieder zu Gute, dass ich mich auch sehr gerne von meinem Bauchgefühl treiben lasse. Oft muss es schnell gehen. Hier ist intuitives Handeln gefragt. Gut ist auch, wenn man unvoreingenommen an ein Motiv rangeht und der eigenen Kreativität Spielraum lässt. Ich lasse eine neue Location auf mich wirken. Das kann im Vorbeigehen sein, oder auch während des Fotografierens. Wenn ich dann einen guten Draht zur Landschaft habe, fällt es mir auch einfacher, sie in Szene zu setzen.

Was mich bei deinen ganzen Fotos (alle Weblinks zu Stefan findet ihr am Ende des Interviews) besonders anspricht, ist, dass du nicht nur spektakuläre Motive in Szene setzen kannst, sondern auch ganz einfache Motive, die man durchaus auch mal „hinter der Haustür“ finden kann. Wie sieht die Suche nach diesen Orten bei dir aus? Nutzt du die „grauen“ Tage im Jahr, um dich auf die Suche zu machen? Suchst du immer ganz gezielt oder findest du reizvolle Stellen auch mal „im Vorbeigehen“, die du dann zur richtigen Lichtstimmung wieder aufsuchst?
Seit beginn meiner Karriere habe ich ein Projekt am laufen, das sich „Meine Heimat“ nennt. Hier fotografiere ich tatsächlich ausschliesslich Landschaften, welche ich im Umkreis von etwa 10-15 km von meinem Zuhause in Bayrisch-Schwaben aufspüre. Und das ist tatsächlich keine leichte Sache. Denn eigentlich bin ich an einem Ort im relativ flachen Teil Bayerns aufgewachsen, der zwar sehr idyllisch sein kann, aber weder vor Megamotiven noch vor sonstigen dramatischen Landschaften strotzt. Hier muss man genau hinsehen. Licht und Stimmungen nutzen und auch einfach mal etwas „wagen“. Meist gehe ich spontan raus - früh Morgens oder Abends - und lasse mich überraschen, was mir vor die Linse kommt. So bin ich schon oft auch leer nach Hause gekommen. Das kann ich mir auf Fototouren nicht erlauben. Doch der Vorteil ist, in diesen Jahren der Heimarbeit habe ich gelernt, auch scheinbar unspektakuläre Motive in Szene zu setzen.

30-Seconds-Light - ©Stefan Hefele
Du arbeitest ja mit einer Nikon D810. Für Landschaftsfotografien eine absolut geniale Kamera was die Auflösung und den Kontrastumfang angeht, wie ich finde. Und viele deiner Fotos sind sehr weitwinklig angelegt, eine Perspektive, die ich selbst auch extrem gerne mag. Welches Objektiv kommt bei dir am häufigsten zum Einsatz? Kommt ein Teleobjektiv (also so ab 70mm) auch zum Zuge?
Seit Sommer 2015 arbeite ich mit der D810. Als Backupbody habe ich die D800. Wie du schon sagst, ist die D810 in Punkto Dynamikumfang und Auflösung unschlagbar. Ein Traum für Landschaftsfotografen, Megapixelrennen hin oder her. So manchen Auftrag konnte ich nur ins Boot ziehen, da die Bilder dementsprechend hochaufgelöst waren.
Neben dem Standardzoom von Nikon 24-70mm / 1:2,8 arbeite ich hauptsächlich mit dem hervorragenden Nikon 14-24mm / 1:2,8. Ganz klar meine Lieblingslinse seit einigen Jahren. Und ja tatsächlich - man sieht es meinem Portfolio eigentlich nicht an - aber hin und wieder ist auch das Nikon 70-200mm / 1:2,8 am Start. Wenn auch oftmals nur fürs gute Gewissen dabei :-). Ich bin einfach ein unverbesserlicher Grandscape-Fotograf mit Hang zum Vordergrund ;-).

Wie wichtig ist dir generell die Technik und was würdest du sagen, ist nach dem Stativ das wichtigste technische Zubehör bei der Landschaftsfotografie, das man möglichst immer dabei haben sollte?
Ich bin mit Sicherheit kein technikvernarrter Fotograf. Mir ist es immer am liebsten, wenn alles funktioniert und ich keine kreativen Einbußen auf Grund schlechter Technik habe. Wenn ich die Frage nach dem Zubehör auf die reine Fototechnik beantworten muss, dann ist das sicherlich der ein oder andere Filter. Hauptsächlich verwende ich einen Grauverlaufsfilter und hier und da ist ein Polfilter im Einsatz. Ganz abgesehen von der Fototechnik behaupte ich, dass mir eine helle Kopflampe schon oft als Lebensversicherung beigestanden hat. Denn oft befinde ich mich lange nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang an abgelegenen, unbeleuchteten Orten.

Wildlands - ©Stefan Hefele
Schon zu analogen Zeiten war die Nachbearbeitung der Fotos ein großes Thema und auch im digitalen Zeitalter ist es ein sehr wichtiges Werkzeug in der Fotografie (auch wenn sie gutes Ausgangsmaterial natürlich nicht ersetzen kann). Wie viel Zeit investierst du ungefähr bei einem Foto in die Nachbearbeitung? Bevorzugst du Lightroom oder Photoshop (oder vielleicht sogar eine ganz andere Software)? Spielt das Zusammensetzen mehrerer Fotos im Sinne von Belichtungsreihen oder Fokusstacking bei dir eine große Rolle? Vielleicht hast du da sogar den ein oder anderen konkreten Einsteiger-Tipp für unsere Leser?
Ganz klar, die Bildbearbeitung gehört zum Workflow eines guten Bildes. Da ich des öfteren mit Belichtungsreihen arbeite und Fokusstacking verwende, kann es schonmal 1-2 Stunden dauern, bis das Foto fertig ist. Ansonsten benötige ich aber deutlich weniger Zeit. Mein Bildbearbeitungsprogramm der Wahl ist Photoshop. Um Panoramen zu stitchen verwende ich PTGui.
Denkt bei Belichtungsreihen unbedingt daran, später im Photoshop den Übergang zwischen Himmel und Landschaft realistisch aussehen zu lassen. Ohne hässliche „Heiligenscheine“ und zu dunkle und gesättigte Bereiche rund um die Sonne. Ein Grund, wieso ich diesen Arbeitsschritt mit den Ebenen immer manuell in Handarbeit vollziehe.

Vielen Dank Stefan für diesen Einblick in deine Fotografie. Ich freue mich auf viele weitere faszinierende Bilder von dir und wünsche dir ganz viel Erfolg damit.


Stefan Hefele im Web:

Kommentare:

  1. Klasse Artikel, beeindruckende Bilder..Es inspiriert einfach, weiter an sich zu arbeiten um auch irgendwann einmal so hochklassige Bilder zu erstellen. Danke

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