Montag, 15. September 2014

Es ist heiß im August in Andalusien... sehr heiß



Andalusien? Ok, warum nicht... aber was gibt es in Andalusien im Spätsommer zu fotografieren? So, oder so ähnlich haben wohl viele gedacht denen wir unser Ziel erzählt haben. Schon ziemlich lange tauchte "Andalusien" immer mal wieder in unseren Planungen für Fotoziele auf.

Und diesen Sommer haben wir es dann einfach gemacht. Tanja und ich waren Ende August zu einer Fototour in Andalusien. Da wir bisher eigentlich immer in eher kühleren Regionen unterwegs waren stellten wir uns das auch mal recht nett vor weder beim fotografieren frieren zu müssen noch zu befürchten vom Regen durchnässt zu werden. Zumindest das hat absolut zugetroffen wobei es ziemlich heiß war, ziemlich sehr heiß sogar. ;-) Es war eigentlich verdammt heiß und ich denke unser Bedürfnis nach "nicht frieren zu müssen beim fotografieren" ist erstmal gestillt und beim nächsten Mal darf es gern etwas kühler sein. Und insbesondere im Hinblick auf die Landschaftsfotografie darf es auch gern mal ein paar Wolken geben, aber darüber wird euch Tanja nächste Woche erzählen.
Aber außer der Hitze gab es natürlich noch ganz viel anderes.
Ein Ziel hatten wir von vornherein in unserer Planung, den Rio Tinto, einen Fluss der unglaubliche Farben und wunderbare Strukturen hat. Und auch nach mittlerweile drei Wochen Abstand kann ich nur immer noch sagen, dieser Fluss ist einfach der Wahnsinn in seiner Farbenpracht.

©www.inesmondon.de

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Als hätte ein Maler seine Farben in das Wasser geschüttet und daraus ein abstraktes Gemälde kreiert. Unwirklich und faszinierend und unerschöpflich in der Motivvielfalt.



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Der Künstler aber ist hier die Natur. Wobei das eigentlich auch nicht ganz richtig ist und im Grunde doch der Mensch einen großen Anteil an den Farben des Flusses hat. Der Bergbau in der Region hat die Landschaft seit mehr als 4000 Jahren in eine surreale und eigentlich überhaupt nicht klassisch schöne, sondern eher zum Teil fast grässlich schöne Landschaft verwandelt welche aus verlassenen Industrieanlagen, ausgebeuteter  Erde, Kratern und vielen Hinterlassenschaften des Bergbaus besteht. Wir sind, um guten Zugang zu dem Fluss zu erkunden, durch Gebiete gefahren die fast nicht mehr irdisch erschienen, es war wirklich manchmal wie eine Reise auf einen anderen Planeten. Jedenfalls sind durch den Bergbau Erze und Schwermetalle im Flusswasser wodurch sich das Wasser verfärbt hat. Hinzu kommen Mikroorganismen, Pilze und andere Kleinstlebewesen welche sich angesiedelt haben. Zum Teil sogar sehr spezielle Mikroorganismen wie sie nur in einigen Meeresvulkanen vorkommen und möglicherweise auch auf fernen Planeten...
Spannende Geschichte! Eine Geschichte welche wir allerdings so komplex erst recherchiert und gelesen haben nachdem wir dort fotografiert haben. Genauer gesagt nachdem wir zwei Tage lang in dem Fluss gestanden sind zum fotografieren. Dass es sehr heiß ist in Andalusien hatte ich glaub ich schon erwähnt... Na jedenfalls waren sowohl die Füße unserer Stative als auch unsere eigenen sozusagen barfuß in dem Fluss. Was wir nicht besonders bemerkenswert fanden... Ok, wir haben kein lebendes Tier an dem Fluss gesehen, ok, die Uferbereiche waren feste Krusten in schillernden Farben.

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Ok, es war teilweise ein merkwürdiger und beißender Geruch wenn man an den Fluss herantrat. Und ok, knallbunte Flüsse sind jetzt auch nicht so ganz häufig... Aber wirklich besorgt hat uns das alles nicht, bis, ja bis...und hier erzähle ich mal nicht weiter, was dann geschah könnt ihr nächste Woche bei Tanja lesen.

Aber fotografisch war das auf jeden Fall ein Höhepunkt unserer Tour und absolut lohnenswert. Auch mein Bild des Monats September stammt von da und dass ich auf den Strukturen diesen kleinen Falter fand war für mich sowas wie ein Sechser im Lotto. ;-)
Auf jeden Fall wird der Rio Tinto eine bleibende Erinnerung sein und eines der spannendsten Dinge die ich je fotografiert habe.

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Aber Andalusien hat natürlich noch viel mehr zu bieten. Die Sierra Nevada, die Desierto de Tabernas, Küsten und Landschaften. Insgesamt sind wir über 2000km gefahren um die Region zu erkunden.
Natürlich ist die Vegetation im Spätsommer sehr verdorrt und die braunen Farbtöne garniert mit ein paar Olivenbäumen in grün dominieren die Landschaft. Und es ist übrigens sehr heiß...


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Aber wenn man auf Details achtet und genauer hinschaut hat Andalusien ganz viele und sehr mannigfaltige Farben.

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Wie immer wenn wir auf Tour waren gibt es natürlich auch ein paar Worte zum kulinarischen Teil der Reise. Die spanische Küche ist ja durchaus interessant und das Angebot von frischem Obst und Gemüse in den Supermärkten richtig gut. Vegetarisch zu essen in Andalusien ist allerdings schon etwas schwierig, das Angebot ist recht begrenzt. Wobei unser Hauptproblem meist garnicht das vermutlich limitierte Angebot an vegetarischen Gerichten war, sondern schlichtweg die Tatsache, dass wir oft garnicht bis zu einer Auswahl gekommen sind, weil wir nicht kommunizieren konnten. In den Touristenstädten an den Küsten ganz sicher überhaupt kein Problem, aber abseits der Touristenpfade wird leider ausschließlich spanisch gesprochen. Zumindest war das unsere Erfahrung. Weder in Restaurants, noch in den kleinen Hotels noch im Supermarkt oder auf der Straße konnte man sich in englisch (deutsch würde man ja sowieso nicht erwarten) verständigen. Wer sein iPhone schon einmal zum simultan übersetzen benutzt hat, der wird wissen wovon ich rede wenn ich behaupte, dass so ein Übersetzer im Handy wirklich nur für wenige Begriffe, aber nicht zu einer Konversation taugt oder gar um differenziert Essen zu bestellen. Aber lustig war es schon manchmal und hin und wieder ist es uns auch gelungen das "richtige" zu bestellen und das war dann auch lecker.

Die Desierto de Tabernas ist vielen bekannt aus diversen Filmen, insbesondere Western wurden hier viele, auch sehr berühmte gedreht und wenn man da ist, hat man wirklich oft das Gefühl es kommen Pferde und ein paar Cowboys um die Ecke. Staubig, vegetationsarm, mit interessanten Geländestrukturen und sehr heiß. So erlebten wir die Tabernas. Auf unseren Fahrten durch die Wüste fanden wir auch viele verlassene Orte welche in ihrer Einsamkeit und dem Verfall schon wieder einen interessanten, morbiden Charme hatten.


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Die Tabernas ist wirklich eindrucksvoll, aber es ist schwierig das in ein Foto zu packen. Von weiter weg ist es schwierig diese Landschaft zu erfassen und von näher dran ist es letztendlich nur ganz viel steiniger Dreck. ;-)
Trotzdem haben wir natürlich auch da jeden Tag fotografiert, es war ja sehr gut planbar, das Licht war morgens und abends sowieso jeden Tag gleich. Und es war immer sehr heiß. ;-)

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Aber wir wollten natürlich auch noch ans Meer. Also führte uns unsere Reise Richtung Südosten. "Cabo de Gata" ist ein Nationalpark der sowohl das Meer, als auch das Land beeinhaltet. Felsige Küsten, kleine nur durch klettern erreichbare Buchten und ein winziger Küstenort ohne große Hotels oder Ferienanlagen erwartete uns da. "Las Sirenas", das ist eine bekannte Felsgruppe da.

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Und welch Überraschung... es war auch dort ziemlich heiß. Und nahezu wolkenlos. Einen dramatischen Himmel jedenfalls bekamen wir nie vor unsere Kameras und so mussten die Farben des Erdschattens, das blaue Meer und die Felsen und Wellen für die Bilder "genügen". Was mir persönlich ja sehr gut gefällt und insbesondere die zarten, pastelligen Farben in den Tagesrandzeiten fand ich wirklich sehr schön und mein Foveonsensor mag die ja sowieso. Ein großer Vorteil von verlässlich wolkenlosen Himmel ist dann natürlich, dass man auch nachts die Sterne immer sieht. Was das mit unserer Tour zu tun hat und eine spannende Geschichte zur Entstehung eines Bildes erfahrt ihr ebenfalls nächste Woche, dann wird Tanja ein paar Geheimnisse lüften, also nicht verpassen.

Zum Abschluss unserer Tour machten wir noch einen Abstecher etwas weiter nach Norden, dort wo Andalusien an Murcia grenzt. Dort gibt es eine interessante Felsformation "Los Cocedores" welche einerseits durch ihre Farben, aber auch bei einem der Felsen durch seine Form und eine Art natürlichen "Kamin" sehenswert und sehr fotogen ist.

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Insbesondere im intensiven Morgen- oder Abendlicht sind die Farben phantastisch und man hat zumindest morgens diesen Platz auch ziemlich allein da noch keine Badegäste da sind.

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Als Fazit muss ich sagen, dass Andalusien wirklich eine (Foto)reise wert ist, es gibt ganz sicher auch Jahreszeiten die dafür besser geeignet sind als Spätsommer, aber zu entdecken gibt es immer etwas.

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Und übrigens...es war heiß in Andalusien... ;-)

Ines

Kommentare:

  1. Hi Ines,
    mal wieder ein sehr informativer und vor allem herrlich bebilderter Artikel von Dir. Mir geht es ja was die Hitze betrifft genauso wie Dir - bevorzuge ich doch eher nördliche Gefilde. Aber wie Du hier eindrucksvoll zeigst, lohnt es sich durchaus, seinen Blick auch einmal gen Süden zu wenden. Schön, dass Ihr Euch von der brütenden Hitze nicht das Fotografieren verderben lassen habt. So wurdet ihr auch mit einer ganz anderen Art von Motiven belohnt. Danke für diese Augenfreude!

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  2. Hallo Ines!
    Ich habs auf fb schon kommentiert, muss es hier aber auch nochmal schreiben! Ich find diesen Bericht einfach klasse! Und die Farben des Flusses sind atemberaubend. ...ich glaub, ich muss da auch hin. ;-)

    Dankeschön auch von mir für diesen tollen Bericht!

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