Dienstag, 1. September 2015

Hundeschlittenabenteur Finnland



Still ist es. Keine Menschenseele weit und breit. Ich lausche. Doch alles was ich höre ist das Knirschen des Schnees und das Hecheln der Hunde, die vor meinen Schlitten gespannt sind. Fleißig rennen sie weiter und weiter. Durch tief verschneite Wälder. Schnee, der die Bäume sich biegen lässt… über Felder und Seen, die lange kein Mensch zu Gesicht bekommen hat. Eisig ist es, doch die Faszination der wunderschönen Tiere und der unglaublichen Landschaft lassen mich Kälte vergessen und in ein unbeschreibliches Abenteuer eintauchen.
Ich flog also heuer nach Finnland. Nicht direkt zum Fotografieren, sondern um einfach mal abschalten zu können. Eine Woche mit Huskys durch die einsame Landschaft zu düsen kam mir dabei gerade richtig vor. Kein Strom, kein fließend Wasser und fast keine Menschenseele erwarteten mich. Gebucht habe ich die Reise über huskytrack.de. Die Website macht einen seriösen und informativen Eindruck. Der Kontakt verlief problemlos und sehr freundlich. Gesagt, gebucht! 



Nachdem meine Freunde und ich über Helsinki am Flughafen von Joensuu angekommen waren, wurden wir auch schon abgeholt. Gut zwei Stunden ging es mit dem Auto weiter an die russische Grenze und wir kamen an unserer Hauptbase der Erekäskus Lodge an. Nach einem leckeren Abendessen am Kamin und dem Kennenlernen der Leute dort fielen wir todmüde ins Bett. Die Unterkunft war rustikal und super schön! In der großen gemütlichen Lodge prasselte abends das Kaminfeuer, während wir mit einem schmackhaften Dreigänge-Menü versorgt wurden. Den nächsten Tag hatten wir erst einmal frei und konnten uns mit der Umgebung und einigen Hunden vertraut machen und das Team sowie unseren Guide Konstantin kennenlernen. Wir entschlossen uns dazu eine Schneeschuhwanderung zu machen und die Gegend zu erkunden. Überall findet man kleine Hütten, in denen man die Möglichkeit hat Feuer zu machen und sich dadurch aufzuwärmen. Also vorausgesetzt man schafft es auch Feuer zu machen…aber lassen wir das…



Die Gegend ist bekannt für ihre vielen Seen, die im Winter alle mit gut 40-50 cm dickem Eis zugefroren sind. Am nächsten Morgen ging es los. Nach einem ordentlichen Frühstück lernten wir unsere Hunde kennen und bekamen vielen hilfreiche Informationen rund um die Tiere und das Schlittenfahren. Meine Güte sind die Tiere hübsch und lieb! Da möchte man gerne den einen oder anderen heimlich mit in den Koffer packen und mit nach Hause nehmen. Aber dort im Schnee haben sie es einfach viel besser als im verhältnismäßig warmen Deutschland. Nachdem wir die vor Freude hüpfenden Tiere das erste Mal eingespannt hatten ging es auch schon los zur ersten Fahrt. Ein wenig wacklig waren die ersten Meter. Dann bekamen wir nach und nach ein Gefühl für das Gefährt und es machte einfach riesen Spaß durch den Tiefschnee zu düsen. Die Hunde haben so viel Spaß beim Rennen. Bis zu 35 Kilometer legen die Hunde am Tag locker zurück!




Am nächsten Tag machten wir eine etwas längere Tour durch die verschneiten Wälder, bevor es dann drei Tage nur mit dem Rucksack bepackt in die Weite des Landes ging. Unsere Schlitten waren beladen mit Verpflegung für uns und die Tiere. Die Unterkünfte waren einfache, aber sehr gemütliche Blockhütten ohne Strom und fließend Wasser. So zündeten wir in den Hütten die Öfen an und holten Wasser aus dem Brunnen, nachdem wir die Hunde versorgt hatten und ihnen ihre Strohbetten zubereitet hatten. Es war einfach traumhaft in dieser Märchenlandschaft rumzufahren und das Zusammensein mit den Hunden zu genießen.








Zum Fotografieren kam ich leider nicht viel. Das ist einfach während der Schlittenfahrt nicht möglich. Es sei denn mit dem Handy oder einer GoPro Kamera. So entstanden die meisten Schnappschüsse mit dem iphone. Zudem hatten wir leider nicht viel Glück mit dem Wetter und schöne Lichtstimmungen blieben leider aus. Damit aber selbst aus diesem schnappschußartigem Fotografieren kein Fotografrieren wird, möchte ich noch einige Tipps zur Kleidung geben. 

Die Durchschnittstemperatur liegt im Winter in Finnland bei −4 und −14 Grad. Nachts auch gerne mal -40 Grad. Dazu bläst oft ein kalter Wind, der die gefühlte Temperatur erheblich senkt. Zwar wurde uns die wichtigste Ausrüstung von der Lodge zur Verfügung gestellt, dennoch kann ich zudem noch folgende Utensilien (wärmstens) empfehlen:
  • Heatpaxx Fuß,- und Körperwämer
Die selbstklebenden Päckchen klebt man sich wahlweise an die Fußsohlen oder an den Körper. Sie halten für einige Stunden sehr warm. Es gibt auch noch andere Anbieter, mit denen ich aber keine Erfahrung habe. Ich war sehr zufrieden mit der Dauer, dem Preis und der Wärmeleistung der Fuß,- und Körperwärmer von Heatpaxx und kann diese empfehlen.
  • Schuhe
Auf meiner Reise trug ich neben den von der Lofge gestellten Schneeschuhen die Aku Allegra GTX Schneestiefel. Diese sind sehr bequem, nicht zu schwer und sehr warm! Laut Hersteller bis zu -30 Grad. Ich liebe die Schuhe und konnte sie um 40% reduziert online erwerben. Der Schuh ist wasserdicht und atmungsaktiv. Eine dicke Gummisole isoliert die Kälte von unten. So kann man sorgenfrei stundenlang durch den Schnee laufen oder in der Kälte stehen.
  • Unterwäsche
Mit das Wichtigste ist wohl die Unterwäsche, die man bei der Kälte trägt. Merinowolle ist dabei die erste Wahl. Sie ist zwar relativ teuer, aber dafür sehr warm und trocknet auch schneller als Baumwolle. Zudem bleibt sie knitterfrei und transportiert die Feuchtigkeit weg vom Körper. Neben langen Unterhosen und langen Unterhemden hatte ich noch dicke Socken aus Merinowolle über meinen normalen Baumwollsocken an.
  • Zwischenhose
Über der langen Unterhose aus Merinowolle hatte ich eine enger anliegende Zwischenhose an. Die langen dicken Hosen von Woolpower kann ich nur empfehlen. Sehr bequem und warm!
  • Zweite Bekleidungsschicht
Über der Unterwäsche hatte ich entweder eine dicke Fleecejacke von der Firma Wellensteyn an oder einen dicken Wollpullover. Davon hatte ich mindestens zwei dabei um Wechseln zu können.
  • Mütze
Das zarte Frauengesicht von heute will gegen Kälte und auch Sonne gut geschützt sein. Ich hatte daher eine dicke Sturmhaube aus Wolle gegen den Wind dabei. Als Mütze kam die Fjällräven Sarek Heater  zum Einsatz. (kein Echtfell!) Wirklich eine  warme Kombination! So friert keine Nase ab.
  • Handschuhe
Als bekennender FCB Fan hatte ich natürlich meine FCB Fleecehandschuhe dabei. Diese sind unglaublich bequem und sehr warm. Als zweites Paar hatte ich die  Northface Handschuhe Etip dabei. Drüber trug ich die von der Lodge bereitgestellten Fäustlinge.  Sauna-Feeling kam auf!
  • Stirnlampe
Da es zu der Jahreszeit in Lappland mehr dunkel als hell ist, sollte man nicht ohne Stirnlampe unterwegs sein.Ich hatte auf meiner Reise die Black Diamond Spot Stirnlampe im Einsatz. Diese hat unterschiedliche Belichtungsmodi. Unter anderen einen Rotlicht-Modus. Das rote Licht ist besonders schonend für die Augen im Dunkeln. Die Ausleuchtung ist sehr gut und die Lampe schön hell. Wahlweise kann man zwischen Punkt,- oder Umfeldausleuchtung wählen.
  • Thermoskanne
Um sich immer wieder auf der Fahrt aufzuwärmen, kann ich nur empfehlen eine Thermoskanne mit heißem Tee mitzunehmen.

Ich muss gestehen, dass es vielleicht der aufregendste Urlaub meines Lebens war, auch wenn ich fototechnisch nicht auf meine Kosten kam. Diese Landschaft, die Hunde …das alles war ein unvergessliches Erlebnis. Schade, dass es mit den Polarlichtern nicht geklappt hat, aber diese stehe auch noch auf meiner Liste.  Ich möchte mich auch nochmal beim ganzen Team der Eräkeskus Lodge für die tolle Betreuung und den reibungslosen Ablauf bedanken und kann huskyrack.de nur wärmstens empfehlen!  

Liebe Grüße, Pia

www.piasteen.de

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