Mittwoch, 25. Februar 2015

Canon 5Ds/5DsR - Vorsprung durch Technik?


Ich werde derzeit immer wieder gefragt, ob ich mir die neue Canon EOS 5Ds oder 5DsR holen werde. Kurz gesagt hat diese Frage für mich einen faden Beigeschmack. Warum? Viele Leute scheinen auszuflippen ob der hohen Anzahl von 50 Megapixel und das Weglassen des Tiefpassfilters bei der 5DsR. Sicherlich hört sich das im ersten Moment toll an, löst in mir aber auch die Frage aus, würde mich eine solche Kamera zu einer besseren Fotografin machen? 





 Nein. Würde sie nicht. Keinen Fotografen. 

Radomir Jakubowski hatte zu diesem Thema auch vor einiger Zeit einen Blogartikel geschrieben. 

Neben Fragen nach meinem technischen Equipment werde ich auch immer wieder nach den Exif-Daten meiner Bilder gefragt. Welche Blende, Zeit, Iso, Filter, Kamera, Brennweite, Objektiv hast du verwendet? Prinzipiell habe ich kein Problem damit die Daten preiszugeben. Jedoch finde ich es schade, dass sich die Leute nur für die Technik dahinter interessieren. Nie werde ich nach dem Bildinhalt gefragt. Nie stellt mir jemand Fragen wie: Hey, was hat dich bei dem Motiv besonders bewegt? Was hast du gedacht oder gefühlt als du es fotografiert hast? Was macht dieses Motiv gerade so besonders für dich und warum hast du den Ausschnitt genau so gewählt und nicht anders. Was hast du im Nachhinein noch an dem Bild bearbeitet? 


Es ist ein Trugschluss, dass man mit teurem Equipment automatisch ein besserer Fotograf wird. 3500 Euro für eine Kamera ist verdammt viel Geld. 3500 Euro für mehr Megapixel und das Fehlen des Tiefpassfilters... 3500 Euro…wenn ich mir überlege, was ich damit alles machen könnte. In wie viele Fotoausstellungen ich gehen könnte. Oder wie viele Fotolehrbücher ich mir zulegen könnte. Wie viele Videotutorials ich damit kaufen oder wie viele Workshops ich damit besuchen könnte…ich könnte das Geld in mich selbst investieren, dadurch meine Technik verbessern, mein Auge schulen, mir Inspirationen holen. 
Motivation: Ein Stück meiner Heimat festhalten. Ich mag Sonnenuntergänge am Chiemsee. Gemütszustand: Nachdenklich, teilweise traurig. Ausschnitt: Querformat um die Berge ins Bild zu integrieren. Bearbeitung: Tonwertkorrektur, Farbsättigung. 



Sicher lege ich Wert auf gute Ausrüstung. Das möchte ich nicht abstreiten. Richtig ist natürlich auch, dass man mit einer teuren Kamera qualitativ bessere Bilder machen kann. Aber es kommt immer noch auf die Hände drauf an, die die Kamera halten. Auch ich liebe meine 5D MK III und benutze vorwiegend die teuren L-Objektive. Auch ich liebe Technik. Aber selbst wenn der Satz mittlerweile wirklich total abgedroschen ist, so ist es doch immer noch der Fotograf, der das Bild macht. Nicht das Equipment. Das ist Fakt. Sicherlich erleichtert einem eine gute Ausrüstung vieles. Man kann mit Lichtsituationen umgehen, mit denen man mit einer vermeintlich schlechten Kamera nichts mehr ausrichten könnte. Ein schneller Autofokus lässt mich Situationen festhalten, die mit einer langsameren Kamera längst vorüber wären. Und die Schärfe und Farbintensität macht mir einfach Freude anzuschauen. Dennoch zählt am Ende immer der Bildinhalt.

Würde man mir genau den Pinsel in die Hand drücken, mit dem Leonardo Da Vinci seine „Mona Lisa“ gemalt hat, würde man mir die genauen Farbcodes verraten, die Pinseldicke, das exakte Pappelholz zu Verfügung stellen, den Druck mit dem der Pinsel auf das Holz gedrückt wurde…. ich wäre niemals in der Lage so ein Bild zu malen. Ganz einfach weil ich es nicht gelernt habe und mir das Talent fehlt. Vielmehr ist es doch spannend die Sicht des Künstlers auf die Welt zu verstehen. Sich durch andere Fotografen inspirieren zu lassen und zu lernen. 

Ich persönlich brauche keine 50 MP Kamera, um meiner eigenen Vision von einem guten Bild näher zu kommen. Lieber arbeite ich an meiner Kreativität und versuche mich persönlich weiterzuentwickeln. 



Liebe Grüße, 
Pia 

www.piasteen.de

Kommentare:

  1. Liebe Pia,

    schön hast du das geschrieben. Da bin ich ja echt froh, dass ich dich beim Almbachklamm Foto zumindest gefragt habe, wo du gestanden hast und nicht nach den Exifs. Das Foto das du gewählt hast, ist zum Träumen schön und bringt mich zum Lächeln, aber auch zum Nachdenken. Ganz konkret deshalb, weil ich grad wieder genervt bin von den Grauverlaufsfiltern in Kombi mit Sonnenstern. Deshalb frage ich dich, ob es nur eine Einzelaufnahme mit Grauverlauf ist und du einfach so saubere Filter und Glück hattest keine Flares drin zu haben, oder ob es mehre Aufnahmen waren, die du am Rechner zusammengefügt hast? Ich danke dir :-)

    LG
    Mignon

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  2. Hallo Mignon,

    es freut mich dass dir das Bild gefällt. Es ist eine Einzelaufnahme mit Lee 09 ND. Das Objektiv macht so gut wie keine Flares, dafür aber einen schönen Sonnenstern :-)

    Liebe Grüße, Pia

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  3. http://www.docma.info/blog/die-50-megapixel-vollformat-luege/

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  4. http://www.photoscala.de/Artikel/Einlassungen-zur-Bildqualitaet

    http://www.photoscala.de/Artikel/Wie-viele-Megapixel-verkraftet-eine-Kamera

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  5. Um die Frage zu stellen, warum Du jenen Ausschnitt gewählt hast, muss man wohl den Ort kennen und ihn als Fotograf betrachtet haben.

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  6. Danke Pia! Ich habe das Canon 16-35 f/4.0 und bin grundsätzlich super zufrieden - auch mit dem Sonnenstern. Aber wenn ich einen Grauverlauf davor packe, dann habe ich Flares. Naja einfach weiter versuchen :-) LG Mignon

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  7. Hi Pia
    Erst mal ein ganz grosses Kompliment an Dich für dieses wunderschön komponierte Bild. Alles sehr stimmig, Ausschnitt, Farbe, Kontrast, Spiegelungen, etc. Die Tiefe, die durch die querlaufenden Wolken entsteht, ist einmalig. Toll, ich bin minutenlang hängen geblieben :-) und es hat sich viel in meiner Gedankenwelt bewegt!
    Grundsätzlich bin ich Deiner Meinung: ein gutes Bild entsteht (bei mir zumindest) zuerst im Herzen, dann im Verstand, dann mit der Technik und zwar in dieser Reihenfolge. Somit hat die Technik bei mir "nur" den dritten Rang.
    Allerdings: mein 21-er Zeiss Distagon auf meiner 5DIII spricht eine eigene Sprache, hier macht sich der technische Vorsprung schon sehr deutlich bemerkbar und löst auch heftige Glücksgefühle aus. Es geht mir dabei nicht um's Pixel-Peepen sondern um den Gesamteindruck des Bildes. Es ist recht schwierig, das exakt zu beschreiben, aber es sind einfach "bessere" Bilder. (Interessant auch, dass die lokale Tageszeitung immer nur "Zeiss-Bilder" von mir publiziert. Nur einmal habe ich eine Publikation mit dem 16-35-er II geschafft.)
    Somit: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche kann aber technisch optimiert werden ;-)
    Herzlich, Pit

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  8. Sehr schön geschrieben. Ergänzend zu ihren Verwendungsmöglichkeiten würde ich noch vorschlagen die 3500€ lieber in eine Reise zu interessanten Orten zu investieren. Bringt viel mehr als immer die neueste und beste Ausrüstung zu besitzen.

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