Dienstag, 2. Dezember 2014

Lost Places – Wo Vergangenes allgegenwärtig ist

Marode Böden, wackelige Wände und ein feuchtes Dach zeichnen das Gebäude

Vorwort: Die Betreiber dieser Website Tanja Ghirardini, Ines Mondon und Pia Steen distanzieren sich in jeglicher Form der auf den Bildern gezeigten Graffitis und Sprüchen, egal welcher Art. Die Graffitis auf den gezeigten Bildern sind nicht Thema der fotografischen Arbeit, sondern der Zerfall der Gebäude.

Schon immer war ich fasziniert von den sogenannten Lost Places. Orte, die sich einst großer Beliebtheit und Besuchern erfreuten und heute vergessen und vergammelt ihr Dasein fristen. Ob ein beliebter Vergnügungspark, ein hoheitliches Herrenhaus, eine einst renommierte Klinik, eine große Fabrik oder ein schickes Urlaubshotel….wo damals der Mensch regierte, hat die Natur nun wieder die Oberhand und lässt das Chaos regieren.

Doch wo findet man Lost Places? Am besten in dem man die Augen und Ohren bei seinen Städtetouren offen hält. Im Internet sieht man zwar viele Bilder, erfährt aber nur recht schwer wo sich die Gebäude genau befinden. Das hat auch seinen Grund. Denn so manch bekannter Lost Place wird täglich von zig Fotografen besucht. Leider gibt es auch hier schwarze Schafe, die sich gerne ein Andenken aus dem jeweiligen Haus mitnehmen. So sieht man anhand der über die Jahre entstandenen Bilder wie leer das Anwesen eines Tages ist und dadurch einen großen Teil von seinem fotografischen Reiz verloren hat.

Ich möchte euch hier drei meiner Lost Places zeigen.  


Die alte Zimmerei
Das Chaos regiert nach den vielen Jahren

Einst ein Meisterbetrieb, ist heute nur noch spärlich zu erkennen, dass in dieser Zimmerei Großes geschaffen wurde. Die Decken sind teilweise komplett eingestürzt, Wasser läuft von draußen herein und weicht den bereits morschen Holzboden noch weiter auf. Alte Maschinen stehen vergessen und vergammelt in den Ecken. Pflanzen haben sich von draußen ihren Weg in das Innere der Zimmerei gebahnt und erobern Stück für Stück ihren ursprünglichen Platz zurück.
Einst geeignet zum Händewaschen, lässt man heute lieber die Finger davon

Der Stromkasten für die Geräte

In den Regalen findet man noch vereinzelt Werkzeug

Nicht ganz ungefährlich ist das Betreten der teils schon eingestürzten Gebäude

Pflanzen bahnen sich ihren Weg ins Innere der Zimmerei

Alte Arbeitsgeräte fristen ihr lebloses Dasein

Es lässt sich nur erahnen, dass dies mal ein wichtiges Arbeitsgerät war

Die Leitungen sind mehr als marode. Wasser tropft überall heraus
Die alten Schalthebel sind von Rost durchzogen

Bretter, Arbeitsgeräte und jede Menge Schrott stehen lieblos herum. Es sieht beinahe so aus, als wäre die Werkstatt von heute auf morgen verlassen worden. Sprayer haben die alte Fabrik wohl für sich entdeckt und ihre „Kunstwerke“ hinterlassen. Das Gebäude ist in einem schrecklichen Zustand und sollte nur unter enormer Vorsicht betreten werden. Teile sind bereits eingestürzt.

Die vergessene Mühle


Die Mühle ist kaum noch zu erkennen

Mitten im Wald, in der Nähe eines Flusses kann man sie noch erahnen. Die alte Mühle. Wo einst hart gearbeitet wurde, hat sich die Natur Stück für Stück ihren Platz zurückgeholt. Die Mauern stehen nur noch schemenhaft. Das große, gusseiserne Wasserrad ist verrostet und von Bäumen bewachsen. Der Fluss, der einst an der Mühle entlangfloss ist nur noch ein sumpfiger Schlammgraben. Die Mühle muss bereits Jahrzehnte leer stehen. Zu Betreten gibt es quasi nichts mehr, da nur noch die Mauern und das alte Mühlrad stehen.


Das alte Wasserrad wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt

Aus diesen Fenstern hat schon lange niemand mehr geblickt


Diese Tür führt nirgendwo mehr hin


In einigen Jahren wird die Ruine vollständig verschwunden sein


Die Bäume fühlen sich wohl auf dem Wasserrad


Die Mechanik für das Rad funktioniert schon lange nicht mehr


Kaum noch zu erkennen sind einige Teile der Mechanik vom Moos fast verschlungen


Das verlassene Gasthaus
Eins ein renommiertes Gasthaus ist es heute fast in Vergessenheit geraten


Vor vielen Jahren noch ein beliebtest Gasthaus mit Fremdenzimmern, sind die Türen längst ins Schloss gefallen. Der einst so frequentierte Biergarten ist von Pflanzen und nassem Laub durchzogen. Schon längst genießt hier niemand mehr sein kühles Bier an lauen Sommerabenden. Der einst prunkvolle Festsaal ist leer und verstaubt. Längst stehen keine Speisen mehr auf der Speisekarte. In den einst Bewohnten Zimmern hat sich Zentimeter dicker Staub auf die Einrichtung gelegt. Besonders liebevoll gestaltet ist die Fassade des Gasthauses und besticht vor allem durch die extravagante Farbe. Das Gebäude wurde verkauft und soll in den kommenden Jahren wieder hergerichtet werden.



Pflanzen bahnen sich den Weg ins Innere des Gasthauses

Der große Festsaal von der Theaterbühne aus betrachtet

Das Treppenhaus ist durchzogen von Klopapier

Manche Zimmer sehen aus wie unberührt


In dieser Küche wird zum Glück nicht mehr gekocht

In diesem Biergarten wird schon lange kein Bier mehr ausgeschenkt

Durch diese Türe ist Jahrzehnte niemand mehr gegangen

Die Speisekarten sind von Schimmel überzogen
Auch unter dem Dach gab es Zimmer
Bettlaken und Handtücher hängen noch frisch gewaschen über dem Geländer

So abenteuerlich das Erkunden von verlassenen Orten ist, so gefährlich ist es auch. Man sollte wissen, dass verlassene Gebäude meist irgendwo noch einen Eigentümer haben und man durch das unerlaubte Betreten des Geländes Hausfriedensbruch begeht. Daher lohnt sich die Mühe den Eigentümer oder Verwalter - sofern es den gibt – ausfindig zu machen und zu fragen, ob man das Grundstück betreten darf. Zudem können die alten Gemäuer Einsturz gefährdet sein. Auch hier sollte man vorher eruieren in wie weit man das Gebäude noch begehen kann. Schnell kann ein morscher Holzboden beim Betreten durchbrechen oder baufällige Wände und Decken einfallen.

Daher gelten einige Regeln, die man beachten sollte:

-Nie alleine unterwegs sein.
-Einer dritten Person Bescheid geben wo man sich aufhält und wann man wieder da ist.
-Sich vorsichtig vortasten. Böden und Wände können morsch sein und einstürzen.
-Taschenlampe und Helm mitnehmen.
-Take nothing but pictures, leave nothing but footprints! Nichts mitnehmen und dort alles so lassen  wie es ist! Es wäre Diebstahl Dinge von dort mitzunehmen!
-Augen offen halten! An verrosteten Gegenständen oder verrotteten Überresten kann man sich  unschöne Wunden zuziehen. 
-Mundschutz kann vor gefährlichen Schimmelsubstanzen in der Luft etwas Schutz geben.


So traurig es ist den Zerfall dieser Gemäuer zu beobachten, so beeindruckend ist es noch erahnen zu können, wie es einst dort ausgesehen hat und mehr über die Hintergründe der Anwesen zu erfahren. Gerne werde ich hier so nach und nach immer mal wieder einen neuen Lost Place zeigen.

Liebe Grüße,

Kommentare:

  1. Sehr interessanter Bericht mit tollen Bildern. Bis jetzt hat mich sowas ja gar nicht gereizt, aber jetzt bin ich doch neugierig geworden. Muß irgendwann auch mal ein paar "Lost Places" suchen. Bei uns im Dorf gabs ein verfallenes Haus, aber das war vor 20 Jahren schon verfallen, das wird wohl nicht mehr stehen...

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  2. Liebe Pia,
    wenn man eine Idee umsetzt,so wie Du,dabei das Ganze richtig durchdenkt und das entsprechende Fotolicht nutzt,dann kommen solche exakte Fotos zustande,wie bei Dir.
    Was mir dabei gefällt, sind Deine informativen Texten,woraus man noch einiges lernen kann.
    Vielen Dank und liebe Grüsse,
    Christian Berger.

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  3. Vielen Dank Michael! Können ja mal zusammen die Augen offen halten ;-)
    Danke Christian! Ich freue mich immer, dass dir meine Artikel gefallen.
    Liebe Grüße an euch und ein frohes Fest!

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