Montag, 23. September 2013

Mystische Tiefen - Die Klammen Österreichs





Die Felsen sind teilweise so bunt, dass man seinen Augen kaum trauen kann

Kalt wird es, als ich den schmalen Pfad zwischen den steil empor ragenden Felswänden betrete. Eiskaltes Wasser tropft von den Wänden hinunter in metertiefe Abgründe. Ich schaue nach unten. Dort tobt das stürmische Wasser und rauscht so laut, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehe. Das Rauschen wird von den engen Felskluften hin und her geworfen. Ich betrete vorsichtige die Holzstufen, die mich sicher über die rasenden Fluten durch die faszinierende und zugleich beängstigende Klamm geleiten. Was dann folgt ist für mich Faszination pur.

In einigen Gumpen scheint das Wasser fast zu ruhen



Das Wasser reflektiert wunderschön an den Felswänden
Es war die  Eiszeit, die vor mehreren tausend Jahren ihre Spuren in den teils 300 Meter tiefen Felsschluchten hinterlassen hat. In den unterschiedlichsten Tiefen, Wendungen und Windungen hat sich das Wasser in den vielen Jahren seinen Weg durch den Felsen gemahlen. Dabei entstanden beeindruckende Wasserfälle, reißende Strudel und wunderschöne Gumpen. Die Felsformationen sind so facettenreich und vielfältig, dass ich meinen Augen kaum trauen kann. Überall entdecke ich neue Formen und Farben.

Treppenartige Formen hat das Wasser in den Steingegraben

Wäre das Wasser nicht eiskalt, könnte man in den Gumpen baden
Die Klammen sind oft umgeben von mythischen Geschichten, was einen Ausflug in die kalten Tiefen für mich noch spannender macht. Der Geist soll von den Gebirgen in die Klamm hinabgestiegen sein. Dort haust er seither mit seinen Kobolden, die es hin und wieder pflegen des Nachts zu wundersamer Musik zu tanzen. Oder der Pakt der Liechtensteinklamm, bei dem ein Schmied den Teufel bat, die Gasteiner Quellen vor sein Haus zu bringen. Als der Pakt scheiterte, schmetterte der Teufel die Heilquelle tief hinab in die Klamm, damit sie nie ein Mensch erlangen soll und wo sie angeblich bis heute noch fließt. Bisher ist es den Menschen nicht gelungen die Heilquelle anzuzapfen.

Herrlich abstrakt zeigen sich die Felsformationen in dieser Klamm

Am Klammausgang schießt das Wasser in ein gumpenartiges Becken
Eine der wohl unheimlichsten Klammen ist in meinen Augen die Strubklamm. Das mag an dem Mordfall aus dem Jahre 1673 liegen, als ein junger Metzger seine schwangere Geliebte in den Abgrund der Klamm stieß. Oder daran, dass man beim längeren Betrachten des Bildes einige unheimlich dreinblickende Gesichter in den Felsstrukturen erkennen kann…die Gesichter der Toten?


Sieht man in den Felsen die Gesichter der Toten

Bereits der Aufstieg zu manchen Klammen kann einige Stunden in Anspruch nehmen und schon viele wunderbare Motive bereithalten. Allerdings sollte es nicht an Kondition mangeln! So kann eine Tour durch die wunderschöne Bärenschützklamm inklusivem Fotografieren gute 9 Stunden dauern.

Das Fotografieren in den Klammen birgt aber so seine Schwierigkeiten. Die Stege sind meist so eng, dass man sich bei entgegenkommenden Personen an das Geländer pressen muss. Klar, dass man sein eben aufgebautes Stativ mit ausgerichteter Kamera dabei auch jedes Mal abbauen muss. An Wochenenden ist es oft so voll, dass man das Fotografieren dort komplett vergessen kann. Zudem sind die Holzstege sehr vibrationsanfällig. Bei Langzeitbelichtungen, die man zwingend in den dunklen Klammen braucht, ein Graus! Oft sieht man noch nicht mal die Besucher, merkt aber bereits an den Vibrationen der Kamera, dass man demnächst wieder alles zur Seite rücken muss, um Platz zu machen. Diese Belichtung ist damit auch im Eimer. Sehr nervig!


Die engen Stege sind vibrationsanfällig. Bei Langzeitbelichtungen sehr nervig (Foto: Nina Jungbeck)


Viele Stellen in den Klammen sind gesichert. Das macht das Fotografieren zur Herausforderung
Bereits auf dem Weg zur Klamm kann man viele wunderbare Motive entdecken
Hat man aber ein wenig seine Ruhe macht das Fotografieren unglaublichen Spaß! Überall gibt es was zu entdecken und an heißen Sommertagen ist es angenehm kühl in den Klammen. Für mich, die gerne wandert und fotografiert, sind Klammen zudem der perfekte Ort, um beide Hobbies mit Freude zu vereinen.

Pia
www.piasteen.de


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